"Ich bin nicht immer meiner Meinung."
Paul Valéry


Mittwoch, 20. Oktober 2010

Applaus für Güner Balci

Ich finde, man kann Güner Yasemin Balci verzeihen, daß sie den bösen Thilo Sarrazin auch nicht gelesen hat - wer die Jungs (und Mädels) derart elegant tiefer hängt, verdient Beifall - schon fürs Ironisieren einer tränenreichen Empörungskampagne falscher Opfer...

"Lieber Fatih, lieber Feridun!

Mit Betroffenheit nehme ich zur Kenntnis, dass ihr euch nicht mehr zum Zeitungsladen traut, dass Ihr Angst habt vor den Anfeindungen, die in dieser Welt auf euch lauern - schlicht, weil ihr Moslems seid. Mir war gar nicht bewusst, wie diskriminiert ihr euch in eurem eigenen Land fühlt. Ich dachte eigentlich immer: Die Jungs haben's geschafft, zwei leuchtende Vorbilder für gelungene Integration und - mehr noch - eine Bereicherung für die Kultur der Republik. Mit euren Filmen und Geschichten über die Zwänge und Konflikte patriarchalischer Stammesstrukturen aus Anatolien habt ihr nicht nur die Kritiker der Feuilletons begeistert, sondern ganze Aufklärungsarbeit geleistet.

Ich meine zum Beispiel den Film "Gegen die Wand", in dem die Protagonistin sich dem Kampf gegen ihre Familie stellt, weil sie selber entscheiden will, mit wem sie ins Bett geht. Oder den Roman "Leyla", der die schockierenden Gewaltexzesse eines anatolischen Tyrannen gegen seine Frau und Kinder zeigt. Waren die Geschichten der muslimischen Frauen, die der Unterdrückung durch ihre Familien ausgesetzt sind, nun ernst gemeint - oder waren das etwa die von euch beklagten "stereotypen Bilder", also realitätsferne Fiktionen mit dem einzigen Zweck, das Publikum zu unterhalten? Wenn Letzteres zutrifft, hat eine ganze Nation euch wohl missverstanden. Auch ich möchte mich dann bei euch entschuldigen: Ich habe alles für bare Münze genommen!"
Weiterlesen in der Welt...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen