"Ich bin nicht immer meiner Meinung."
Paul Valéry


Donnerstag, 31. Juli 2014

Nebelwerfer 7: Alle für Alle!

Ein Geist weht durchs Land. Von der Arztpraxis bis zum Getränkemarkt, vom Fitnes-studio bis zum Baumarkt begrüßt uns „Ihr Team“, fröhliche, zupackende Menschen, die nur darauf warten, die Welt aus den Angeln zu heben. Teamgeist ist top. Der Kunde freut sich am offenbar guten Betriebsklima und daran, dass sich „Team“ erheblich unkomplizierter sagt als „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“. Am Praxisteam schätzt ins-besondere der ältere Bürger, dass er sich die Namen all der vielen Arzthelferinnen nicht mehr merken muss. Und wer denkt bei Teamgeist nicht an Teen Spirit? Oder an den großen, guten Zeitgeist? Oder ans Racing Team, also an Mut, Ausdauer und Geschwindigkeit?
Und doch: könnte es sein, dass hinter der Kurzform, die lautmalerisch ein Smily ergibt, ein Missverständnis lauert?
Ein Team hält zusammen. Einer für alle, alle für einen. Genau: auch die drei Musketiere sind ein Team. Ein Team ist etwas, das auf Gedeih und Verderb zusammensteht, fürs Gute und gegen das Böse, also: gegen all die Feinde in der Welt dort draußen. Dies Bild vor Augen, könnte es einem auch gruseln, wenn einem so ein Team gegenübertritt.
Der Kunde weiß: es will nur sein Bestes, sein Geld, etwa. Die Teamster aber wissen: den Kunden führt die reine Not in den Bau- oder Getränkemarkt, denn er sieht ja, dass er bei umfangreichen Lagerarbeiten, Computerproblemen oder dringendem Gesprächs-bedarf stört. Wagt er darob aufzumucken, fliegt der Teamgeist auf und lässt ihn schnöde abfahren. Gegen ein schlagkräftiges Team sieht jeder Kunde alt aus.
Was also ist ein Team? Eine Verheißung? Eine Drohung? Oder, wie der ebenso miss-verständliche „Partner“ bei „meiner“ Versicherung, nur ein weiteres Beispiel aus dem unerschöpflichen Köcher des Nebelwerfers?
Warum wohl heißen die Sieger der Fußballweltmeisterschaft 2014 überall nicht „Team“ und schon gar nicht „Dreamteam“, sondern ohne auch nur die Andeutung eines Lächelns „Mannschaft“? Eben. Sie tun nicht als ob. Sie machen den Ball rein, das ist alles. Und mehr wollen wir auch gar nicht. Wir, ihr Zuschauerteam.



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