"Ich bin nicht immer meiner Meinung."
Paul Valéry


Sonntag, 6. Juni 2010

Bundespräsident II

Bricht die Kanzlerinnendämmerung an?
Wenn es stimmt, daß Angela Merkel Ursula von der Leyen im Unklaren darüber gelassen hat, daß sie sich längst für Christian Wulff entschieden hatte...
Und wenn es stimmt, daß Siegmar Gabriel ihr anbot, über einen gemeinsamen Kandidaten zu sprechen, was sie unterließ...
Dann hat sie sich einen weiteren Patzer erlaubt, der schwere Nachwirkungen haben könnte. Denn Joachim Gauck, von SPD und Grünen vorgeschlagen, ist ein Mann, auf den sich alle einigen können. Nur Die Linke nicht, aus naheliegenden Gründen: wer sich immer noch als Mitglied einer Kaderpartei der Umverteilung fühlt, dürfte so seine Schwierigkeiten haben mit dem ehemaligen "Stasijäger". Und mit einem Mann, der Freiheit für das wesentliche Gut hält - und von einer Produktivität, Eigenwilligkeit, kurz: Freiheit erstickenden Gleichheit nichts hält. Dem die im linken juste milieu vorherrschende Weinerlichkeit nicht liegt und der sich (jedenfalls bislang noch) nicht aufs Prokrustesbett eines "Unbequemen" oder gar "Querdenkers" schnallen läßt. Wir wissen: auch bei Horst Köhler erschöpfte sich das Unbequeme in den üblichen Kirchentagsworten gegen Gier, Monster, Heuschrecken und all das andere Böse.
Meine Güte, was täte uns dieser nicht uneitle, aber dennoch kluge und mittlerweile gar lebensweise Mann gut! Er führe uns hinaus aus dem Jammertal der ewig klagenden Abstiegsbedrohten... Was Merkel nicht kann - zum beherzten Optimismus in der Krise aufrufen - könnte sicher er, der schon ganz andere Krisen hinter sich gebracht hat.
So einen brauchen wir, nicht den blassen Osnabrücker.
Wenn ich das richtig sehe, hat Rotgrün mit seiner Kandidatur einen echten Coup gelandet: Gauck ist für alle wählbar, höchstens für die Knallroten nicht, die damit erfolgreich ausgegrenzt sind. Schon jetzt zeigen sich nicht wenige in FDP und CDU herzlich einverstanden mit ihm. Einverstanden mit ihm müßte auch Angela Merkel sein.
Aber die wollte ja einen weiteren ambitionierten Mann entsorgen und auf einen anderen Posten wegloben. Nun hat sie den Salat: selbst Christian Wulff spricht bereits davon, daß es nicht darauf ankomme, auch tatsächlich gewählt zu werden.
Eine weise Absicherung. Denn womöglich wird es ja tatsächlich Gauck. Das schadet Wulff nicht. Wohl aber Merkel.

Kommentare:

  1. Ich hoffe, dass es wider alle Erwartungen Gauck wird. Aus all den Gründen, die Sie aufzählen.

    Mir geht Frau Merkel seit geraumer Zeit leider mächtig auf die Nerven.

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  2. Für Gauck zu sein ist ja einfach und Merkel ist sicher seit dem CDU/FDP Wahlsieg eine reine Entäuschung, aber die erneute Brüskierung der Linken durch die SPD, nach der Koalitionsgesprächefarce in NRW, ist rätselhaft. Erst anschleimen und sondieren, jetzt soll nichts gewesen sein. Die SPD will wohl die Wähler einlullen?

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