Mittwoch, 20. Oktober 2010

Thea Dorn

"Verehrte Frau Mustermann, ich suche keinen Streit. Ich finde ihn."
"Streiten können nur Menschen, die für eine Idee einstehen, die größer ist als sie selbst."
Aus: Ach, Harmonistan. Deutsche Zustände. München 2010

Clara Malraux

Memoiren enttäuschter Ex-Frauen verblichener Größe sind nicht gerade mein Ding. Aber dieses Buch hier lohnt sich - schon deshalb:

"Die stärkste Wirkung geht von dem womöglich gar nicht beabsichtigten Nebeneffekt des Buchs aus: Der Mythos von den französischen Intellektuellen, ihrem Esprit und ihrer moralischen Untadeligkeit, entblättert sich ganz nebenher, aber umso nachdrücklicher. Clara Malraux beschreibt eine intellektuelle Szene, der sie selbst angehörte: Ein Milieu, in dem man, unbekümmert um die Wirklichkeit, davon auszugehen schien, dass Talent und intellektuelle Überlegenheit eine höhere Moral bedingen, die den Verstoß gegen Gesetze und Regeln adle. Eine selbstreferentielle Elite nimmt sich Privilegien heraus und feiert sich dabei."
Mehr über die Erinnerungen von Clara Malraux hier.

Stuttgart 21

Sicher: den Rechtsstaat bestimmt Verfahrensgerechtigkeit. Entscheidungen müssen ordnungsgemäß zustandegekommen sein, darin liegt ihre Legitimation. Und: die repräsentative Demokratie hat ihre Vorteile gegenüber dem bei jeder Gelegenheit abzufragenden Volkswillen: man unterstellt den Volksvertretern, über den Kirchturm hinwegzusehen und nicht partielle, sondern allgemeine Interessen zu vertreten.
Tun sie das immer? Und hat das Fußvolk tatzsächlich nicht das Recht, gegen ordnugnsgemäß zustandegekommene Entscheidungen zu protestieren?
Mehr davon in der hier mal wieder klugen FAZ.

Und daß der Bürger nach fünfzehn Jahren ordnungsgemäßer Verfahren womöglich schlauer ist als die einst Entscheidenden, schildert auf die ihm eigene präzise und differenzierte Art Dieter Bartetzko, ebenfalls in der FAZ.

Applaus für Güner Balci

Ich finde, man kann Güner Yasemin Balci verzeihen, daß sie den bösen Thilo Sarrazin auch nicht gelesen hat - wer die Jungs (und Mädels) derart elegant tiefer hängt, verdient Beifall - schon fürs Ironisieren einer tränenreichen Empörungskampagne falscher Opfer...

"Lieber Fatih, lieber Feridun!

Mit Betroffenheit nehme ich zur Kenntnis, dass ihr euch nicht mehr zum Zeitungsladen traut, dass Ihr Angst habt vor den Anfeindungen, die in dieser Welt auf euch lauern - schlicht, weil ihr Moslems seid. Mir war gar nicht bewusst, wie diskriminiert ihr euch in eurem eigenen Land fühlt. Ich dachte eigentlich immer: Die Jungs haben's geschafft, zwei leuchtende Vorbilder für gelungene Integration und - mehr noch - eine Bereicherung für die Kultur der Republik. Mit euren Filmen und Geschichten über die Zwänge und Konflikte patriarchalischer Stammesstrukturen aus Anatolien habt ihr nicht nur die Kritiker der Feuilletons begeistert, sondern ganze Aufklärungsarbeit geleistet.

Ich meine zum Beispiel den Film "Gegen die Wand", in dem die Protagonistin sich dem Kampf gegen ihre Familie stellt, weil sie selber entscheiden will, mit wem sie ins Bett geht. Oder den Roman "Leyla", der die schockierenden Gewaltexzesse eines anatolischen Tyrannen gegen seine Frau und Kinder zeigt. Waren die Geschichten der muslimischen Frauen, die der Unterdrückung durch ihre Familien ausgesetzt sind, nun ernst gemeint - oder waren das etwa die von euch beklagten "stereotypen Bilder", also realitätsferne Fiktionen mit dem einzigen Zweck, das Publikum zu unterhalten? Wenn Letzteres zutrifft, hat eine ganze Nation euch wohl missverstanden. Auch ich möchte mich dann bei euch entschuldigen: Ich habe alles für bare Münze genommen!"
Weiterlesen in der Welt...

Montag, 11. Oktober 2010

E-Book - E-Gitt?

Hier eine Diskussion unter Agenten, Verlegern und yours truly - zu lesen und zu hören im Börsenblatt.

Freitag, 1. Oktober 2010

Heilsarmee Deutschland

"In der taz kann man heute einen Appell mit dem Titel „Nein zur Ausgrenzung“ lesen.
Darin geht es selbstverständlich um die von Sarrazin angeblich so schrecklich gemobten Migranten. Die Migration sollte nicht nach Kosten-Nutzen-Erwägungen beurteilt werden. Vielmehr sollte den Betroffenen ein selbstbewusstes Leben in Deutschland ermöglicht werden. Sind wir die Heilsarmee oder das Schlaraffenland?"
fragt Richard Wagner.