Montag, 22. November 2010

Und ewig knurren die Schweinehunde...

Warum Jörges nicht ganz so dumm ist wie Jens Jessen - aber dafür ein Sexist: hier...

Schwarzer reloaded

Lydia Harder hat in der FAZ den wunden Punkt der Alice Schwarzer entdeckt:
"Vierzig Jahre nach dem Beginn der Frauenbewegung feuert Schwarzer immer noch Schüsse auf Wirtinnen und andere Widersacherinnen ab. Zuletzt traf es Familienministerin Kristina Schröder. Schwarzer verbarrikadiert sich im Kölner "Emanzenturm", einem mittelalterlichen Wehrturm am Rhein. Hier sitzt die "Emma"-Redaktion seit 1994. Die Festung wurde mit Steuergeldern renoviert, über die kommerzielle Nutzung durch die Redaktion gab es damals Streit, heute verliert niemand mehr ein Wort darüber. Im fünften Stock hat Schwarzer ein feministisches Archiv einrichten lassen, für die Gemeinnützigkeit. Wer sich dort von den Mitarbeiterinnen, die zufällig alle lila gekleidet sind, frühe "Emma"-Ausgaben bringen lässt, stößt schon in der dritten Ausgabe aus dem Jahr 1977 auf ein Editorial Schwarzers mit der Überschrift "Penetration". Ein Wort, das sie als Synonym für den Geschlechtsverkehr einführte."
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Freitag, 19. November 2010

Aus dem Blog von Gabriele Wolff

Gabriele Wolff ist eine hervorragende Krimiautorin und eine, als Staatsanwältin erprobte, präzise beobachtende Zeitgenossin. Was sie über Kachelmann und die BILDF-Berichterstatterin Alice Schwarzer schreibt, lohnt allemal nähere Betrachtung:

"Bereits am 3.9.2010 verkündete Alice Schwarzer in ihrem Blog unter: ›Der Fall Kachelmann, Nr. 5‹:

»Ich werde in Mannheim dabei sein und einige der Verhandlungen im Saal 1 des Landgerichtes mitverfolgen. Denn manchmal muss man etwas selber erleben und darf sich nicht nur mit Informationen aus zweiter Hand begnügen. Vom ersten Prozesstag an werde ich nicht nur weiter für Emma über den „Fall Kachelmann“ berichten, sondern den Prozess auch in Bild wöchentlich kommentieren.«

Da fiel es einem wie Schuppen von den Augen: die von juristischer Sachkenntnis ungetrübte, aber meinungsfreudige anti-Kachelmann Propaganda Alice Schwarzers von August 2010 hatte also nicht nur der medialen Selbstvermarktung gedient, um die eigene, längst überlebte Sache zu promovieren –: es handelte sich, was das Niveau zumindestens erklärt, um die Produktion von Bewerbungsunterlagen für einen Job bei Bild. weiterlesen...

Alice as usual

Ich bin noch immer und wieder voller Bewunderung. Es ist einfach großartig, wie Alice Schwarzer es stets schafft, die Dinge im richtigen Blickwinkel erscheinen zu lassen. Wie schafft man es, eine "gewisse" Gegnerin politisch einzunorden? Indem man eine Verbindung zwischen ihr und Eva Herman (rechts, Muttertier) und "Pornopropaganda" herstellt.

"Hingegen gibt es durchaus auch Frauen, die ich nicht mag. Zum Beispiel Eva
Herman. Das wird niemanden überraschen. Und auch die mir persönlich
unbekannte Christine Eichel, die Co-Autorin von Hermans Buch "Das
Eva-Prinzip", gehört nicht zu meinen Favoritinnen. Eichel ist seit kurzem
Ressortleiterin von "Kultur & Leben" in Wolfram Weimers neuem Focus. Und als
solche ließ sie prompt eine gewisse Cora Stephan eine zweiseitige Suada über
"das keifende Marktweib", diese "entfesselte Furie" (womit sie mich meint)
schreiben.Cora Stephan wiederum ist mir ebenfalls persönlich unbekannt,
fällt mir jedoch seit den 1980er Jahren als vehemente
Pro-Porno-Propagandistin auf." (siehe hier)

Nun, ich kann verraten, dass nicht Christine Eichel mich "schreiben liess". Auch mit der Porno-Propaganda ist das so eine Sache. Ich habe lediglich Alices PorNo-Kampagne damals kritisiert - und nicht Pornos propagiert. Zumal nicht seither - man hat ja auch noch anderes und besseres zu tun!

Aber wer will da beckmessern? Denn derart elegante Verkehrungen des Sachverhalts sind kühn und gekommt! Also: alles verziehen, Alice! Hauptsache, Du verkaufst Dich weiter so erfolgreich (im Anti-Porno-Blatt Bild).

Donnerstag, 18. November 2010

Wie man sich erfolgreich zur Ikone stylt

Ja, Alice Schwarzer hat sich große Verdienste erworben. Sie ist ein Erfolgsmodell, das frau sich genau anschauen sollte, wenn sie lernen will, wie’s geht: Wie man sich als Inkarnation und Ikone einer Bewegung installiert, die geltend macht, die Interessen von mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung zu vertreten. Wie man alle Konkurrentinnen um diese Position nachhaltig wegbeißt. Wie man mächtige Bündnispartner gewinnt. Wie man sich unangreifbar macht. Wie man damit ganz gut verdient.
Denn Frauen hat Alice Schwarzer am wenigsten gebraucht für ihren unaufhaltsamen Aufstieg zur Promifrau. Im Gegenteil: Von Beginn an machte sie sich zur Linienrichterin, die unter dem Schlachtruf „Frau sein allein genügt nicht“ die Genossinnen mit harter Hand auf ihre, die einzig richtige Linie also, einschwor. Alle, die nicht drauf waren, wurden im Zentralorgan „Emma“ als Kollaborateurinnen mit dem Feind entlarvt.
So agiert sie noch immer, wie ihr jüngster Ausbruch gegen Frauenministerin Kristina Schröder zeigt, die der grossen alten Dame des Feminismus respektvoll zu widersprechen wagte. Damit erweise Schröder sich als „schlicht ungeeignet“, sie solle besser Pressesprecherin der „rechtskonservativen Männerbünde“ werden. Ja, so kennen wir sie, unsere Alice! Die selbstbestellte Nachfolgerin in der „Emma“-Redaktion, Lisa Ortgies, hielt die Patronin schon nach einer Woche für „überfordert“ und jagte sie auf eine Weise von dannen, die sich kein Mann erlauben dürfte.
Der Protest dagegen blieb verhalten. Wie Joschka Fischer profitiert auch Alice Schwarzer von jener geheimnisvollen Omertá der Weggenossen: selbst die Opfer dieses Werdegangs schweigen eisern. Und will man sich vielleicht vorwerfen lassen, mit einer Kritik an den Ikonen der Bewegung dem Gegner zu dienen?
Schwarzer hat sich unangreifbar gemacht. Und so, wie Atomkraftwerke im Sozialismus schlagartig ungefährlich werden, ist es politisch völlig unanstößig, für die „Bild“-Zeitung zu werben, sofern Alice Schwarzer es tut.
Der Feind, der Mann, sah und sieht das alles ganz gelassen – achwas: er sieht das gar nicht ungern. Während sich einige Mitkämpferinnen aus der Frauenbewegung noch eine Weile wehrten gegen ein paar (damals heftig umstrittene) Kampfthesen a la „Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger“, fielen ihnen die Männer reihenweise in den Rücken. Sie schienen zu glauben, „den Frauen“ entgegenzukommen, wenn sie noch den abstrusesten Thesen zustimmten, die Heterosexualität als Unterwerfung der Frauen unter die Männer denunzierten. Da mußte man dann über das andere Gedöns nicht mehr groß diskutieren.
Denn das ist das Schöne an den Männern: Sie können strategisch denken. Sie haben früh erkannt, daß der Kampffeminismus a la Schwarzer entlastet - nämlich sie. Nicht nur, weil keine Frau es gelassen nimmt, wenn man ihren Vortragsstil mit dem eines keifenden Marktweibs vergleicht, also mit der Furie Alice Schwarzer. Sondern weil man mit den großen Zugeständnissen an „die Sache“ von den Mühen der Ebene so fein ablenken kann.
Wer will noch über so Kleinigkeiten wie geteilte Arbeit im gemeinsamen Haushalt streiten, wo es doch um Grundsätzliches geht – ums Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnis? Wer will noch den heterosexuellen Elternalltag aushandeln, an dem frau schliesslich selbst schuld ist, warum hat sie sich darauf auch eingelassen – wo es doch um den politischen Kampf weltweit geht? Für ihren Hinweis darauf, daß man gern auch das Private geklärt haben möchte, ohne es stets als Politisches diskutieren zu müssen, strafte Alice Schwarzer denn auch jene jüngeren Frauen ab, die sich der Verpflichtung aufs Grosse Ganze zu entziehen versuchten. „Post-Girlies“ seien das, schimpfte die weise Frau, die sich „ausschliesslich für ihre ganz persönlichen Belange, sprich: für Karriere und Männer“ interessierten.
Solche Frauen aber sind fürs Patriarchat in Wirklichkeit eher unbequem. Prima sind Frauen, die Männern keine Konkurrenz machen, etwa, indem sie sich mit feministischem Spezialistentum fernab weiblicher Lebenswirklichkeit einen der wenigen Frauenlehrstühle erobern, in Konkurrenz zu anderen Frauen. In der akademischen Welt glauben die meisten Männer gern, dass damit alle weiteren weiblichen Ansprüche auf Teilhabe abgegolten sind. Ein perfekter Deal.
Das muss wohl auch die Stadt Köln und den Mäzen Jan Philipp Reemtsma bewogen haben, der Ikone Millionenbeträge und eine Bleibe im „Bayen-Turm“ zur Verfügung zu stellen, als ob das schwer zugängliche „Frauen-Archiv“ mehr als ein Feigenblatt und also von allgemeinem Belang wäre. So ist man andere Ansprüche anderer los. Cool!
Schwarzer kann eben mit Männern. Und am besten ist sie, wenn sie eine potentielle Konkurrentin niedermacht. Wer sie kürzlich in einer Talkshow über den Kachelmann-Prozess gesehen hat, hat gewiss bemerkt, dass sie mit den männlichen Diskutanten respektvoll, ja geradezu flirtiv umging. Attackiert wurde die einzige Frau in der Runde, Gisela Friedrichsen, die unter dem Redeschwall der entfesselten Furie alsbald fassungslos verstummte.
Alice Schwarzer hat sich erfolgreich als Marke etabliert. Ihr geht es um sich, um nichts anderes. Das sollte man ihr nicht verübeln. Egoismus ist legitim. Kritisieren wir sie also dafür nicht: Denn von Alice lernen, heisst siegen lernen. Sucht euch ein moralisch und politisch in sich gerechtfertigtes Anliegen, macht euch zur einzigen legitimen Vertreterin dieser Idee auf Erden und ihr habt es geschafft, Mädels. Da ist noch weit mehr zu holen als ein Job als „Gleichstellungsbeauftragte“!
Die Sache mit dem Mülleimerruntertragen, ehrlich, ist wirklich nicht so wichtig.

In: Focus, 15. November 2010