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Mittwoch, 6. Januar 2021

Die Stimme der Provinz - Kolumne 1

 Der Megacity gehört die Zukunft, höre ich sie eben noch sagen, die Kristallkugelforscher. Seit Jahren prophezeien sie der Provinz ein Schicksal wie in den „Tributen von Panem“: Die Elite dekadenzt in der Stadt, während das Land, wo die Deplorables hausen, gerade noch ein paar Gemüse- und Tierfabriken beherbergt, vor allem aber als Windpark und Müllkippe fungiert. 

Soll uns recht sein, uns Provinzlern, die wir die Panikpandemie von 2020 am Waldesrand entspannt ausgehalten haben. Bleibt ruhig in euren Quartieren und in euren Gehäusen, ihr Megacitybürger, bei Lockdown und Ausgangssperre. Wir haben das bessere Teil erwählt. 
So war das übrigens immer schon. Wenn Pest und Cholera die Stadtbevölkerung in ihren engen Vierteln dezimierte, zogen sich alle, die es konnten, in ihre Villen in der Toscana zurück und warteten gemütlich ab, bis sich die Seuche erledigt hatte. Gewiss, Villen sind aus der Mode gekommen, Landhäuser mit 60 Zimmern sind schlecht zu heizen, im Übrigen fehlt das Dienstpersonal. Doch auch in bescheidenen Fachwerkhäusern kann man sich feudal fühlen – Michel de Montaigne hatte eine anständige Bibliothek in seinem Schlossturm, wir haben Internet. 

Doch mit unserer Ruhe könnte es bald vorbei sein. Seit Corona, oder, wie uns der öffentlich-rechtliche Rundfunk vorbetet, in „Coronazeiten“, weht der städtische Mief in unsere Richtung. Mein Bürgermeister erzählte mir kürzlich nicht ohne einen gewissen Stolz, dass bei uns im Vogelsberg mittlerweile noch die kleinste Bauernkate verkauft oder vermietet sei. Ich kann das verstehen, ich komme ja auch aus der Stadt, aus der „Mainmetropole“, dessen sich Frankfurt am Main einst rühmte. Aber will ich mehr von so Leuten wie mir hier haben? Warnung! Hier gibt es keine ländliche Idylle, bei uns stinkt es nach Gülle, die Hähne schreien schon morgens früh und wir benutzen Glyphosat für das Unkraut in der Straßenrinne. In den folgenden Wochen deshalb für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, in die Provinz auszuwandern, eine kleine Gebrauchsanweisung. Ich weiß schließlich, welche Fehler ich einst gemacht habe.

Und doch – mit einer Träne im Auge zuerst ein kleiner Nachruf auf die Stadt, die ich einst geliebt habe, es muss ja nicht Frankfurt sein. Alle Städte leiden besonders unter Corona, nicht nur, weil die Menschendichte dort größer und die Ansteckungsgefahr höher ist als in meinem Dorf, wo es mehr Hühner als Menschen gibt. Doch sie leiden womöglich weit mehr noch unter dem untauglichen Versuch, ein Virus an seiner Verbreitung zu hindern. Wo ist sie hin, die Anziehungskraft der Stadt, wenn die Innenstädte veröden, weil alles, was sie ausgemacht hat, verschwunden ist? Wer geht noch „shoppen“, wenn er hinterher nicht mehr einkehren kann, wer hat Lust, abends durch eine menschenleere Stadt zu lustwandeln, wo sich nur noch die üblichen jungen Männer aufhalten, die sich um behördliche „Maßnahmen“ nicht scheren? 

Und wer sehnt sich noch nach den vollverglasten Angestelltensilos, wenn er seine Büro-Arbeit auch zu Hause erledigen kann? Im Frühsommer haben angeblich bereits eine Million Pariser der Stadt den Rücken gekehrt. Aus den USA hört man, dass zwei von fünf Stadtbewohnern ihre Metropole verlassen wollen. Und mehr als die Hälfte der Londoner Angestellten könnten ihren Job auch im Homeoffice erledigen, heißt es in einer aktuellen Studie. Wenn das auch nur 20 Prozent aller Bürobeschäftigten täten, schätzt die OECD, würden 128 Millionen Menschen kein Vollzeitbüro mehr benötigen. Und was, wenn Angestellte aus Angst vor dem Virus nicht mehr in Aufzüge steigen wollen? Entleerte Hochhaustürme, die für nichts mehr zu gebrauchen sind: Wir kennen die Bilder aus dem Kino. 
Was wäre eine Stadt wie Frankfurt am Main ohne die Angestelltenströme, die täglich in ihre Silos strömen? Es wäre das Ende der Gastronomie, die von Geschäftsessen lebt. Und das Ende des öffentlichen Nahverkehrs, der sich nicht mehr rentieren würde.

Manch ein Zukunftsprophet sieht in seiner Glaskugel den Niedergang der Städte voraus, wie wir es vor 30, 40 Jahren bereits einmal erlebt haben – als von bürgerlicher Öffentlichkeit entkernter Leerraum, in denen nur noch die drei A anzutreffen sind – Alte, Arme und Ausländer.

Und deshalb: Blickt zurück in Wehmut, bevor ihr euch auf die Landflucht macht, ihr Stadtmüden. Doch seid gewarnt: Bei uns geht es anders zu. Vor allem anders, als ihr denkt.

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Dienstag, 22. April 2014

Stadt, Land, Fluss


"The land of the free“ war einmal. Amerika hat sich, nach einer Orgie der Selbstzerstörung, zu einem Feudalstaat zurückentwickelt. Die dekadente Oberschicht lebt in Saus und Braus in einer Megacity, während in den umliegenden Provinzen vormittelalterliche Verhältnisse, Ausbeutung und Tod herrschen. Das ist in Kürze der Rahmen des großartige Epos der amerikanischen Schriftstellerin Suzanne Collins. Die „Tribute von Panem“ gehören zu den erfolgreichsten Jugendbüchern nach Harry Potter. Wieder geht es um den Kampf gegen das Böse, auf Leben und Tod, nur ohne Magie. Und auch das Setting ist urvertraut.
In vielen Science-Fiction-Romanen wird es durchgespielt. Die Erde ist verlorene Wüstenei. Die Menschen leben in Städten, in High-Tech-Räumen, in denen Natur nur noch als Zitat auftaucht. Noch nicht einmal mehr zur Nahrungsmittelproduktion wird sie gebraucht: Das Essen kommt aus der Retorte, wobei die Zutaten durchaus unappetitlich sein können. In „Soylent Green“ hat man nachhaltigerweise tote Menschen recycled.
Die Utopie trägt fast immer Züge einer Dystopie. Die vom Schmutz irdischer Realität, von Wind und Wetter abgeschottete Metropole herrscht über ein feindliches Draußen, dessen Gesetze man in der klimageregelten Enklave nicht mehr kennt. Doch da draußen, in sengender Sonne oder klirrender Kälte, zwischen Müllhaufen, Kraftwerken und Lebensmittelfabriken, wohnen nicht nur wilde Tiere, sondern auch Menschen. Sie sind Dienstleister der herrschenden Kaste oder, je nach Perspektive, Verbrecher bzw. freiheitsdürstende Widerstandskämpfer, die sich unter Lebensgefahr in einem rechtsfreien Raum bewegen. Der wunderbaren Welt der Megacity entspricht die Wüste um sie herum. So gibt es unzählige Variationen auf die ewige Geschichte des Widerstreits zwischen Stadt und Land.
Und die Wirklichkeit? Der weltweite Trend zu megacityartigen Ballungsräumen auf der einen und einer zusehends entvölkerten „Provinz“ auf der anderen Seite scheint vom Weitblick früher Science-Fiction zu künden: alles prima vorhergesagt. Wer Optimist ist, lässt den urbanen Menschen künftig, sollte das mal nötig sein, von City zu City jetten, ohne sich die Füße schmutzig zu machen. Das lästige Drumherum sei der darob umso prächtiger blühenden Flora mitsamt aufatmender Fauna überlassen. Und sollte es noch Menschen dort draußen geben, dann sind sie eine zu vernachlässigende Größe.
Der Pessimist hat andere Bilder vor Augen. Gewiss, die Preisgabe von Siedlungsräumen an die „Wildnis“ hat es in der menschlichen Siedlungsgeschichte immer gegeben, man denke an die Verödung ganzer Landstriche im Gefolge der Pest. Das Verschwinden der Wälder und ihr Wiedererstehen gehört zur Geschichte der europäischen Kulturlandschaft. Doch mit der völligen Aufgabe des „"Draußen“ würde kein Paradies entstehen, sondern die Wüstenei. Nicht nur in Europa ist „"Natur“ die über tausende von Jahren von Menschen geformte Kulturlandschaft.
Das Hochrechnen der demografischen Entwicklung zu dem freudigen Befund, dass schon im Jahre 2050 ganze 80 % der Menschheit in Megacities leben wird, ist nicht nur überaus spekulativ, es stimmt auch nicht sonderlich froh. Viele dieser Agglomerationen sind geschichtslose Räume. Menschliche Ansammlungen ohne historischen Kern haben mit dem emphatischen Begriff der „Stadt“ herzlich wenig zu tun, da hilft auch kein Park. Dass die Urbanisierung eine „Kraft zum Guten“ sei, ist kann man bezweifeln. Und dass die Rückkehr der Wildnis „"allen“ zugute käme, ebenso.
Die Vorstellung von der segensreichen Rückentwicklung von Landschaft zu Wildnis beruht auf einem typischen Missverständnis – der Städter. Die haben die Provinz schon immer verachtet. Selten zu Recht.
„"Die wunderbaren Parklandschaften“ der Städte, von denen Hannes Stein schwärmt, sind keine Landschaft und können sie schwerlich ersetzen. Ob die außerhalb der Megacities entstehende „"Wildnis“ ein Zugewinn wäre, dürfte von Region zu Region höchst unterschiedlich sein. Vor allem ist "Wildnis“ keine Idylle, weder für Tiere noch für Pflanzen, sie ist für alle Spezies voller Gefahren. Als rechtsfreier Raum ist sie für den Menschen doppelt gefährlich. Nicht nur wilde Tiere, auch Seinesgleichen haben es auf ihn abgesehen. Wildnis ist ein Raum, den man nicht durchqueren kann – wenn es keine Straßen mehr gibt und keine Züge mehr fahren. Kein Problem, wenn man von Flughafen zu Flughafen jettet? In der Tat.
Die Mehrheit der Menschen wird sich mit den Shoppingmalls und Grünzonen der Metropolen bescheiden müssen, sofern sie es nicht auf den Müllhalden der städtischen Zivilisation noch ein wenig idyllischer haben. Denn die Kehrseite der Megacity sind die Slums an ihrem Rand. Und die Vernutzung der Restnatur für die Bedürfnisse der Stadtbewohner: das Draußen wird zur Müllkippe und, so stellt man sich das offenbar in Deutschland vor, zum Abstellplatz für „Solarparks“ und Windkraftanlagen.
Der Drang der Menschen in die Städte ist nicht nur der Suche nach Freiheit geschuldet, die viele dort vermuten, die der „"Enge“ des ländlichen Raums entfliehen wollen. Er hat vor allem mit der Suche nach Einkommen zu tun. Auch in Deutschland war noch vor 150 Jahren das Land die Kornkammer, in den Kriegsjahren des 20. Jahrhunderts war der Hunger städtisch. Das ändert sich in rasender Geschwindigkeit. Wer seine Ställe nicht auf Massentierhaltung optimieren kann, braucht Lohnarbeit. Heute sitzen viele vorm Computer, die in einem früheren Leben mit der Heugabel hantiert hätte. Das hat seine Vor- und Nachteile, nicht nur, weil man nicht wenigen Menschen anmerkt, dass sie mit einer handfesten Tätigkeit in der Landwirtschaft glücklicher wären.
In der Menschheitsgeschichte spielte die Bändigung der „"Wildnis“ eine große Rolle. Es ist keine provinzielle Sturheit, wenn sich Menschen dagegen wehren, ihre Region zum „"Naturpark“ zu machen. Sie wissen, wie jeder gute Förster, dass die Wildnis keine Bereicherung, sondern eine Verarmung der Lebensformen bedeutet.
Demografie ist eine halbwegs präzise Wissenschaft. Alle Trends zusammengenommen, kann man davon ausgehen, dass die Landbevölkerung in Europa schwindet. Eine Verarmung der Kulturlandschaften kann, muss aber nicht die Folge sein. Statt von der Wildnis zu schwärmen, käme es darauf an, die Provinz neu zu erfinden. Nicht als Biotop zur Belustigung der Touristen. Aber auch nicht als Müllhalde der Urbanisation.

In: die Welt, 22. April 2014

Montag, 4. November 2013

Die Provinz leuchtet

Was sich geändert hat? Es riecht jetzt anders. Und es klingt anders, dort, wo ich lebe, in der oberhessischen Provinz, am Rande des Vulkans.
Am Anfang war der Schrei: ein langgezogenes „Aaaa-uf!“, mit dem die Nachbarin ihre Milchkühe angetrieben hat, begleitet vom Klatschen des dicken Stocks aus Buchenholz auf den Hintern der trödelnden Tiere. Dazu das Geräusch, das Kuhfladen machen, wenn sie auf Asphalt treffen: so ein kurzer, saftiger Platsch, wie ein zerberstender Apfel. Morgens und abends das gleiche Schauspiel, früh auf die Weide, später zurück zum Melken in den Stall. Das ordnete meinen Tag, wie die Kirchenglocken im Nachbarort.
Den meiner Nachbarin auch: Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Irgendwann trennte sie sich schweren Herzens vom Milchvieh. Statt dessen zogen Schweine in den Stall, der Duft nach Milch und verdautem Gras wich dem scharfen, strengen Gestank von Ammoniak. Und anstelle des satten Rülpsers einer zufrieden mampfenden Milchkuh hört man seither nebenan das empörte Schreien eingesperrter Fleischreserven.
Ja, das Dorf klingt anders, auch, weil Hermann fehlt. Der Hahn, der jeden Morgen bereits um vier verschnupft losgurgelte, ist tot. Ich vermisse ihn. Mehr noch die geschäftigen Hennen, hübsche Zwergwyandotten und prächtige Legehühner, die beste Eier gaben. Erst hat der Nachbar die Kaninchenzucht aufgegeben, danach wurden die Hühner abgeschafft. Und nun mussten auch noch die jubilierenden Kanarienvögel weichen – Hubert hat’s am Knie und ist sowieso nicht mehr der Jüngste.
Frei lebende Singvögel machen sich hier schon lange rar, das verdanken wir den hässlich schnarrenden Elstern. Wenigstens die Greifvögel von der nahen Flussaue rufen noch ab und an kreisend über dem Dorf. Kein Trost sind nächtliche Katergefechte.
Ja, es wird leiser im Dorf. Wenn man die Rasenmäher nicht zählt. Ebenfalls verzichtbar ist das Theater beim frühmorgendliche Abtransport der Schlachtschweine, ein schreckliches Schreien und Trommeln, das den Vegetarier in mir weckt. Doch auch das ist bald vorbei. Dann hört man morgens wahrscheinlich nur noch ein Flugzeug, das Warteschleife fliegt, weil der Frankfurter Flughafen überlastet ist. Oder den Bäckerwagen, der sein Kommen durch lautes Hupen ankündigt, was immer noch erträglicher ist als das fröhliche „Hier kommt der Eiermann“, das erschallt, wenn der Mann mit Wurst und Käse heranbraust. Aber ihm sei verziehen: die Nachbarin, um die neunzig, die jeden Tag wie um die siebzig mit dem Hund durch die Flussaue läuft, kauft lieber bei ihm als im Supermarkt, der ist zwei Dörfer entfernt. Überhaupt, die Alten, von denen es in meinem Dorf übrigens weniger gibt als Kinder: sie werden steinalt hier. Woran das liegt?
Bald hat es hier mehr Pferde als Rinder. Die Gemüsegärten mit den bunten Blumen und Stauden werden weniger. Die Maisfelder nehmen zu. Und nachts sind die Sterne ferner gerückt, seit sie am Horizont wie Weihnachtsbäume stehen und leuchten und leuchten: Windkrafträder, die Feinde der dunklen Nächte. Und des roten Milans und der Zugvögel. Sie sind so bekömmlich für die Natur und die karge Schönheit des Vogelsbergs wie die Monokulturen der Maisfelder.
Und dann ist auch noch Herbst. Äpfel fallen, Nebel wallen. Zeit fürs Kaminfeuer und eine gute Dosis Melancholie mit Hilfe von Schnaps und Statistik: Lasst uns leben hinterm Mond, solange das noch geht. Das Dorf stirbt. Der Untergang ist nah. Aber wir können sagen, wir sind dabei gewesen.
Die Provinz leuchtet nicht, sie lichtet sich, sagen die Zahlen. Erst starben die Dorfkneipen, dann die Tante-Emma-Läden, jetzt sind die erst ein paar Jahrzehnte alten Kläranlagen zu groß für die kleiner werdenden Haushalte, in denen Menschen leben, denen man das Wassersparen beigebracht hat. Das war in unserer Region immer schon unnötig, mittlerweile zerstört es die Kanalisation. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, die alte Hausgrube aufzugeben, um statt dessen die Fäkalien und Abwässer in den Kanal zu leiten? Doch wir mussten, die Ideologie der „Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen“ wollte es so – gleiche Standards für alle, egal, wie unterschiedlich die Lebenslagen sind. Kläranlagen aber verursachen den Kommunen die höchsten Energiekosten.
Ja, die Situation ist da, besonders spürbar in den „neuen“ Bundesländern: die Infrastruktur ist zu groß für die schwindende Bevölkerung; die Kosten bleiben gleich, verteilen sich jedoch auf weniger Nutzer. Das Leben in der Provinz wird teuer. Häuser stehen leer und verfallen, die noch bewohnt sind, verlieren an Wert. Erst recht die in der Nähe von Wind“parks“ und Starkstromleitungen. Wir Letzten vom Land leben in einer Abwärtsspirale. Abreißen oder Umziehen, empfehlen Studien für die besonders betroffenen Regionen.
Also weg mit den Dörfern und dem Landleben? Der freien Wildbahn eine Chance? Irrtum: Die Tierwelt macht es den Menschen nach und zieht in die Stadt. In Berlin stromern Füchse durch die Schrebergärten, in den Parkanlagen von Frankfurt am Main fühlen sich Singvögel wohler als in den agrarischen Monokulturen, die Kaninchen wissen das schon längst und vermehren sich entsprechend.
Die Provinz aber soll zur Stellfläche für Windräder und Biogasanlagen werden, meinen manche, weil das ja gut für die Natur sei, wenn auch nun nicht gerade für jene Schrumpfnatur, die sie umgibt. Der Bauer als Verpächter seiner sauren Wiesen hat es prima damit, von der Pacht lässt sich gut leben und das Schweinefleisch kommt eh billiger aus Dänemark. Das Land überlebt in den nach ihm benannten Zeitschriften, die man vor allem in der Stadt liest, wo viele statt Wetter nur noch klimageregelte Zonen kennen.
Wie in den Science Fiction-Romanen der 70er Jahre wird sich die Provinz irgendwann zum feindlichen Draußen wandeln, zur hässlichen Versorgungswüste für den Energiebedarf der Städte. Aber ganz wie im Roman werden auch sie irgendwann kommen, die Unpassenden, die Freaks, die Stadtflüchtlinge, die sich in den Nischen der Zivilisation ihr eigenes Paradies suchen. Es hat sie immer gegeben.
Kein Trend ist unumkehrbar. Immer wieder gab es Gegenbewegungen zum Zug in die Metropolen, suchen Städter Ruhe und geräumige Fachwerkscheunen und entdecken die Kunst des Gartenbaus neu. Stets wird irgendwann der Wert des Alten wiederentdeckt, weil es Charakter hat und beständiger ist als die Wegwerfarchitektur der Lebensabschnittshülsen in den Wohnstädten.
Wir werden ja sehen. Wir Letzten.

Wir Untertanen.

  Reden wir mal nicht über das Versagen der Bundes- und Landesregierungen, einzelner Minister, der Frau Kanzler. Dazu ist im Grunde alles ge...