Montag, 15. Februar 2010

Westerwelle und Koch nach Rotterdam!

Es ist der Tonfall, der an Guido Westerwelles und Roland Kochs Interventionen in Sachen Hartz IV und Lohnabstandsgebot stört. In der Sache haben beide recht. Natürlich muß sich Arbeit lohnen, gewiß sind sozialstaatliche Leistungen für den Not- und nicht den Regelfall gedacht. Und es ist auch nett, daß nicht immer von den "Reichen" die Rede ist, denen man nehmen soll, weil die ja eh zuviel haben, sondern von uns stinknormalen Steuerzahlern, gar nicht reich, die brav das tun, was sie für ihre Pflicht halten, und sich langsam wie die Deppen der Nation vorkommen.
Aber ebenso richtig ist, daß man in Deutschland von Mißbrauch und Betrug her diskutiert und nicht etwas anderes unterstellt: daß viele, vielleicht sogar die Mehrheit, dankbar sind für die Hilfe, die sie erhalten, und lieber arbeiten würden, hätten sie eine Chance. Keine Arbeit heißt meist: keine Teilhabe an Gesellschaft. Insbesondere ältere Arbeitslose macht Arbeitslosigkeit noch älter.

Daß es anders geht, zeigt eine bemerkenswerte Reportage von Andreas Ross heute in der FAZ über Rotterdam, wo man nicht im Kasinoton die "Perversion des Sozialstaatsgedankens" beklagt, sondern die Sache problemlösend anpackt: Irgendwas kann jeder. Alle werden gebraucht.
Bei "Werkland" bekommen sie zu tun - und sei es nur, wie ein seit zehn Jahren geduldeter Asylsuchender aus Sierra Leone, als Einpacker im Supermarkt. 4 Stunden packen, 4 Stunden die Landessprache lernen. Was spricht dagegen? Nichts. Nur die Gewerkschaften, aber das tun closed-shop-Vertreter immer.
Die Vorteile hingegen liegen auf der Hand: soziale Kontakte. Die Sprache dadurch leichter lernen. Das Gefühl, etwas zurückgeben zu können. Etwas nützliches tun. Vielleicht dadurch in ein geregeltes Arbeitsverhältnis gelangen.
Die Vor- und Nachteile solcher Konzepte sollten sich auch hierzulande diskutieren lassen, ohne daß unsere wackeren ewig wahlkämpfenden Politiker wieder mit Schaum vorm Mund die schweren Keulen schwingen und vor Empörung kaum geradeaus blicken können. Das nervt nämlich.

1 Kommentar:

  1. den Tonfall hat auch die Kanzlerin moniert, jedoch verhält es sich dabei ähnlich der 99% der privaten und beruflichen Tonfall-Fälle: man stösst scheinbar entrüstet ins "Der Ton macht die Musik"-Horn, meint dann jedoch den Inhalt.

    Der Inhalt ist der Kanzlerin unangenehm, weil sie ja nach den verlorenen Wahlen zur tiefschürfensten Erkenntnis ihres Lebens gelangte, man müsse manche Bürger in ihren irrationalen Ängsten vor dem Verlust des Sozialstaates auch noch bestärken, ansonsten wählen sie einen nicht, und nicht gewählt werden kann die gute Angela, die in guter kommunistischer Tradition nichts ausser Macht erwerben und erworbene Macht verteidigen kann, denn nun einmal gar nicht leiden. Der politische gegner könnte ja die Neoliberalismus-Keule schwingen, und das will Klein Angela nun einmal nicht.

    Dabei weiss Merkel sehr wohl, dass der Guido nun einmal so ist wie er ist. Manche lieben ihn und die anderen können ihn. Er drückt sich nun einmal eher direkt denn gewählt aus, und jeder der ihn kennt, der weiss, dass man deshalb nicht immer jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen darf.

    Ansonsten guter Beitrag und beste Grüsse aus FFM

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