"Ich bin nicht immer meiner Meinung."
Paul Valéry


Sonntag, 10. Januar 2010

"Was wollen Broder und seine Schwestern?"

Broder-Bashing ist eine beliebte Sportart und kann durchaus kunstvoll betrieben werden. Die ganz hohe Schule ist es indes nicht, wenn das Broderbashing lediglich der matte Auftakt ist für eine Auseinandersetzung nicht mit Broder, auch nicht mit seinen Schwestern oder weitläufig Verwandten, sondern mit Necla Kelek (ja, sie hat einen Namen). Titelschwindel? Nö: Broder formuliere ja nur besonders drastisch, was auch eigentlich so "sympathische" Menschen wie Kelek behaupten.
Ui. Raffiniert argumentiert.
Als sympathische Frau, die Frank Schirrmacher den Börnepreis verliehen hat, sollte Kelek im Unterschied zu Broder also wohl begreifen, daß die Sache mit dem Islam relativ ist. Waren die Katholiken nicht auch ganz schön schlimme Finger? Und gibt es nicht auch in Sizilien, dem Balkan, Kalabrien schlimme Sachen wie Ehrenmord und Blutrache? Und was ist mit dem Kolonialismus und anderen Heiligen Kriegen des Westens? Und hat der Westen nicht auch ewig lange gebraucht, bis er sich zivilisiert hat?
Stimmt. Aber müssen wir uns deshalb aus lauter Toleranz aufs Niveau eines syrischen Bauerns begeben? Und muß sich die FAS schon in der Überschrift dieses Feuilletonartikels im alten Chauvinismus üben?
Bedenkenswert ist immerhin der Schlußsatz: "Ich mag Ihr Kopftuch nicht. Aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sich kleiden dürfen, wie Sie wollen."
Wie sie wollen. Genau.
 

Kommentare:

  1. Danke,

    mit ein paar Worten alles auf den Punkt gebracht.

    http://tapferimnirgendwo.blogspot.com/2010/01/fremdstammigen-deutschen.html

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  2. Herrlich, wie dieser Kommentar den Autor ausknockt:

    "möchte man da gerade noch mal Voltaire zitieren:
    „Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seine Mitbürger glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist nun mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, ... es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht (des Verstandes) erstickt."
    (VOLTAIRE, der große europäische Aufklärer, im Jahre 1740 in einem Brief an Friedrich den Großen, zitiert aus: Der Spiegel vom 22. Dez. 2001, Artikel „Der Glaube der Ungläubigen“)"

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  3. Genau auf den Punkt gebracht.

    Mal ne andere Frage: Wieso kann ich in diesem Eingabefeld nicht mit den Pfeiltasten operieren?

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  4. Kann das sein, dass sie hier eine Erkenntnis mit einer Forderung verwechseln? Die Erkenntnis, dass der Westen ewig lange gebraucht hat, bis er sich zivilisiert hat, muss ja nicht zur Forderung führen, man habe sich auf das Niveau eines syrischen Bauern zu begeben.
    Genausowenig wie die Erkenntnis, dass in der Türkei nichtmuslimische Religionen schlecht behandelt werden, zwangsläufig zur Forderung führen muss, hier ähnlich intolerant zu verfahren.

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  5. Das Broder nur noch langweilt ist schon schlimm genug, aber das Sie sich mit den Worten 'Broder Bashing ist eine beliebte Sportart' schützend über ihn werfen müssen, das hat er wirklich nicht verdient.

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  6. Ach, da seien Sie mal ganz beruhigt: über Broder muß man sich nicht schützend werfen.

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  7. @Popeye (10. Januar 2010 19:35)
    Beim "googeln" nach diesem Zitat von Voltaire bin ich auf diese Seite gestoßen.
    Zu dem Zitat ist nichts mehr zu sagen.
    Ist den Lesern überigens Voltairs "Mahomet" bekannt, das in Deutschland etwas in die Versenkung gedrückte klassische Werk der Aufklärung, das übrigens vom angeblichen Islambewunderer Goethe mit großer Sorgfalt übersetzt wurde?

    Achja... ein schön zusammenfassender Text von Ihnen, Frau Stephan.

    SAPERE AUDE :)

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